Computergames kommen in der Mitte der Gesellschaft an

Computergames sind gefragt wie nie. Längst hat sich das Image von Videospielen gewandelt; mittlerweile sprechen die Spiele nicht mehr eine bloße Randgruppe der Gesellschaft an. Im Gegenteil: Die Branche hat sich neue Zielgruppen erschlossen und besticht durch fabelhafte Wachstumsraten.

Die Entwicklung ließe sich an vielen Beispielen verdeutlichen, das Computerspiel "GTA" ist eines davon. Früher noch gab es bei einer Neuauflage des Stadtrennens regelmäßig Proteste über die Brutalität des Spiels. Schließlich gehörte es zum Rennen, wahllos Fußgänger zu überfahren, Verkehrsregeln zu brechen oder direkt Amok zu laufen. Als Anfang dieses Jahres die neueste Version von Grand Theft Auto herauskam, kam statt Kritik jedoch Lob. Auch der Erfolg gab den Machern recht: Eine halbe Milliarde Dollar hatte das Spiel bereits eine Woche nach Verkaufsstart erlöst.
Einen Beitrag auf dem Weg der Computerspiele in den Mainstream leistete auch der japanische Spielehersteller Nintendo mit der Konsole Wii. Die einfache Bedienung der Spielekonsolen machen diese massentauglich; besondere Kenntnisse bei der Menüführung sind schon lange nicht mehr erforderlich. Damit werden auch Gelegenheitsspieler, sogenannte "casual gamer", angesprochen, die zwar nicht regelmäßig, aber immerhin doch ab und an zur Unterhaltung spielen. Die Erschließung der neuen Zielgruppe hat dazu geführt, dass im ersten Halbjahr 2008 in Deutschland knapp ein Drittel mehr Spielekonsolen verkauft wurden als noch im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Die Prognosen für dieses Jahr fallen optimistisch aus; Weihnachten steht schließlich noch aus.

Außerdem wartet die Branche wieder mit zahlreichen Neuerungen auf, die auf der Games Convention in Leipzig vorgestellt werden. Die Besucher, von denen bis zu 200 000 erwartet werden, werden 300 Neuheiten bestaunen können, darunter das sehnlichst erwartete "Spore" des Sims-Erfinders Will Wright. Überraschend ist Branchenriese Nintendo nicht in Leipzig vertreten, dennoch richten sich die Aussteller ganz auf die neuen Gelegenheitsspieler aus. Immerhin sind mehr als dreißig Prozent der Spieler mittlerweile auch weiblich.Spiele wie "Mein Make-Up" oder "Mein Westernpferd" versuchen, diesem Trend gerecht zu werden.

Neue Zielgruppen zu erschließen bedeutet selbstverständlich nicht, die alte Kundschaft komplett aus den Augen zu lassen. Dauerbrenner "Fifa" etwa wird mit einer neuen Version auf den Markt gebracht. Gleichwohl gab es erst jüngst Kritik an Nintendo, seine Stammkunden mittlerweile zu vernachlässigen. Vielleicht mag das auch ein Grund für die Japaner gewesen sein, nicht nach Leipzig zu kommen.

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